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Freie Volksbühne Berlin – Aus meinem Spiral-BLOCK: Theaterbetriebsnotizen 198

Freie Volksbühne Berlin – Aus meinem Spiral-BLOCK: Theaterbetriebsnotizen 198 0

HEUTE: 1. „Professor Bernhardi“ – Schaubühne / 2. Fernsehtipp Montagskultur unterwegs: Der FVB-Theater-Talk auf Alex-TV

1. Schaubühne: Störung katholischer Religionsausübung
Wohl jeder kennt das nur zu gut: Man will das Beste, es kommt was dazwischen, die Sache läuft schief und schiefer und wird diversen Interessen entsprechend manipuliert, aufgebauscht, skandalisiert. Alles zunächst gut Gemeinte verwandelt sich ins Gegenteil. Schließlich steht man nicht nur als Depp da, sondern als Versager. Oder Bösewicht oder gar als Verbrecher. Und alles durch übles Gerede, Geschreibe, Getwitter, durch Halbwahrheiten und Lügen. Eine intrigante gesellschaftliche Kommunikation macht so aus einem verehrten Unbescholtenen eine verdammte Unperson. Das geschah in Arthur Schnitzlers Anatomie einer Intrige (Schnitzler nennt sie sarkastisch „Komödie“) anno 1912 dem Wiener Klinikdirektor Bernhardi. Weiterlesen

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Freie Volksbühne Berlin – Aus meinem Spiral-BLOCK: Theaterbetriebsnotizen 197

Freie Volksbühne Berlin – Aus meinem Spiral-BLOCK: Theaterbetriebsnotizen 197 0

HEUTE: 1. „Marat / Sade“ – Deutsches Theater / 2. Franz Schuberts Gesänge an die Sterne – Zeiss-Großplanetarium / 3. Gastspiel: Queen Esther Marrow’s The Harlem Gospel Singers Show – Friedrichstadt-Palast

1. Deutsches Theater: Dialektische Links-Rechts-Gaukelei in schriller Kaspertheatershow
Gleich zwei Mal hintereinander in diesem Theater das Hickhack um den ewigen Widerspruch: Da die Revolution mit ihrem konformistischen Terror; und dort der Einzelne mit seinem sperrigen Individualismus. – Kürzlich erst gallebitter in den Kammerspielen mit Brechts „Fatzer“. Und jetzt nochmal, puppenlustig mit grausigem Unterton nebenan im DT mit „Marat/Sade“ von Peter Weiss. – Was für ein tolles Doppel! Weiterlesen

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Freie Volksbühne Berlin – Aus meinem Spiral-BLOCK: Theaterbetriebsnotizen 196

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HEUTE: 1. „Endspiel“ – Berliner Ensemble / 2. „The One“ – Friedrichstadt-Palast / 3. Gregor Gysi trifft Otto Mellies – Deutsches Theater/ 4. Korkenknall

1. Berliner Ensemble: Wilsons Lichtspiele mit Becketts „Endspiel“
Herr Hamm kann nicht stehen; klebt am Rollstuhl, Knecht Clov kann nicht sitzen und läuft immerzu herum; nebenan in zwei Mülltonnen stecken Nagg und Nell, Hamms Eltern, seine „verfluchten Erzeuger“, beide ohne Beine. „Nichts ist komischer als das Unglück“, kommentiert Samuel Beckett beiläufig die vertrackte Lage der Vier, die weder miteinander noch ohneeinander können und gepeitscht werden von der qualvollen Sehnsucht, dass endlich Schluss sei mit diesem Unglücksspiel, das man euphorisch Leben nennt. Weiterlesen

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Freie Volksbühne Berlin – Aus meinem Spiral-BLOCK: Theaterbetriebsnotizen 195

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HEUTE: 1. „Abschiedsdinner“ – Komödie am Kurfürstendamm / 2. Gedenken an Hans Pischner – Staatsoper / 3. „Pfusch“ – Volksbühne / 4. Zwischen den Jahren…

1.Kudamm-Komödie: Bissige Redeschlacht — Ingolf Lück & René Steinke
Wer kennt das nicht: Man hat da eine Einladung oder man muss einladen uralte Freunde, ältere Bekannte. Aber eigentlich hat man überhaupt keine Lust dazu. Nein, nicht der Alltagsstress; vielmehr sind es die langjährigen, zuletzt immer missmutiger, nur noch routinemäßig gepflegten Bindungen, die zu Altlasten wurden, die man eigentlich loswerden möchte. Man hat sich nicht wirklich noch was zu sagen, langweilt sich miteinander, geht sich trotz aller Höflichkeiten mächtig auf den Keks. Doch aufzuräumen mit diesen ausgeleierten Beziehungen und einfach Schluss zu machen, das wiederum traut man sich auch nicht recht. Vertrackte Lage! Weiterlesen

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Freie Volksbühne Berlin – Aus meinem Spiral-BLOCK: Theaterbetriebsnotizen 194

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HEUTE: 1. „Fatrasien“ – Das Helmi im Ballhaus Ost / 2. „Love it or leave it“ Gorki Theater / 3. Hermann Beils Weihnachtsspaziergang mit Robert Walser – Berliner Ensemble / 4. O du fröhliche…

1. Das Helmi: Kindsköpfige Traumreise von Schaumstoff-Gelichter durch Zeiten, Welten, Tief- und Flachsinn
Es gibt in der Pappelallee noch einige vom Häuser-Herausputz ausgelassene Ecken; beispielsweise die Nummer 15. Dort, im Hinterhof, existierte um 1900 ein zünftiges Musike-Etablissement für die umliegend schwofende Arbeiterschaft. Jetzt residiert hier das Ballhaus Ost, ein zünftig versiffter Off-Schuppen mit dem abenteuerlichen Charme des unfein Altfränkischen. Eine Art Wunderkammer. Ziemlich spucky. Wie geschaffen für die neue Produktion des Helmi „Fatrasien. Ein Unsinnswelttheater in sieben Akten“. Weiterlesen

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Freie Volksbühne Berlin – Aus meinem Spiral-BLOCK: Theaterbetriebsnotizen 193

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HEUTE: 1. „Tour de Farce“ – Die Vaganten / 2. „Abschlussball. Ein Lamento in Bildern“ – Berliner Ensemble / 3. Chris Dercon, künftiger Volksbühnen-Chef, schimpft über Berlin und ganz Theater-Deutschland / 4. Gedenken an Gisela May

1. Vaganten: Slapstick-Strudel im Tollhaus des Lebens
Wenn auf dem gut gefüllten Markt paartherapeutischer Fachliteratur ein Buch käme mit dem Titel „Ehe währt für immer“, wären dem professoralen Autor hohnlachende Gegen-Bücher sicher. Oder aber und womöglich zugleich: Hohe Verkaufszahlen und Waschkörbe voller Leserzuschriften. Taucht ein solches Werk mit nämlichem Titel im Theater auf oder gar auf dem wenig rutschfesten Parkett des komödiantischen Boulevards, dann ist eins sonnenklar: Die Schwarte wird gnadenlos dekonstruiert. Also ironisch verhackstückt und gepfeffert durch die Verwurstungsmaschine gejagt. Wie jetzt bei den Vaganten unter dem passgenauen Titel „Tour de Farce“. Weiterlesen

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Freie Volksbühne Berlin – Aus meinem Spiral-BLOCK: Theaterbetriebsnotizen 192

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HEUTE: 1. „Affe“ – Neuköllner Oper / 2. Ein Weihnachts-Geschenkbuch: Peymanns Theater-und-Leben-Rückblick Lese-Show mit Kino im Berliner Ensemble / 3. Seit zwei Jahrzehnten: „Regie Thomas Ostermeier“ – Ein Salut zum Jubiläum / 4. Fernsehtipp Montagskultur unterwegs: Der FVB-Theater-Talk auf Alex-TV

1. Neuköllner Oper: Junkie-Held und Schmerzensmann
Große Party mit Songs vom großen Fox. Von Peter Fox, dem Kreuzberger Musiker mit Echt-Namen Pierre Baigorry, der seine berühmten Songs wie „Schwarz zu Blau“, „Alles neu“ „Ich Steine, Du Steine“ mit dem Babelsberger Filmorchester einspielte, was ihnen einen sehr besonderen, dramatischen Aplomb gab. Das Fox-Album „Stadtaffe“ von 2008 wurde denn auch sofort Kult, manche Hits werden, so die Saga, sogar in Kindergärten gepiepst.

An diesen Songs ist aber auch alles stark: Der Sound, die Melodien, die Texte Fox ist wahrlich ein Dichter. Er erzählt von Freundschaft und Einsamkeit, Liebesleid und Liebesglück, von der Sehnsucht nach Seelenruhe und, ja doch, nach Geborgensein. Aber auch und das vor allem erzählt er von der Sucht nach Entgrenzung, von der so herrlichen und gleichsam so fatalen Flucht in unwirkliche Realitäten auf Drogen-Ticket. Da wechseln wie im Fluge die kurzen Euphorien des rauschhaften Überfliegers mit langen Depressionen. Da folgen aus hohen Himmeln tiefe Abstürze bei den höllischen Trips durch Nächte voller Sex, Drugs, Alk und Gewalt.

„Alles ist bunt, laut und blinkt, Stadt voller Affen is voll und stinkt.“ So etwa das Motto dieses Abends in der Neuköllner Oper, der nun unter dem Kurztitel „Affe“ eine Art szenisch übermalte Fox-Song-Show ist (Buch: John von Düffel und Fabian Gerhardt). Die kreist um eine der üblichen und schmerzlichen Auf-und-Absturz-Storys. Wir erleben den durch Berlin streunenden Junkie „F.“ (gemeint: Fox) mit seinem besten und bösen Kumpel, mit seiner Liebschaft, seinen horrorhaften Albträumen und dem kotzelenden Erwachen im Klinik-Bett. Wir erleben Gewaltausbrüche, gierigen Sex und zärtlichen und sehen „F.“ in Ekstase auf dem Drahtseil turnen, das hoch und quer über die Bühne spannt. Und dann liegt er eben drunten marode im Bett. – Bett und Drahtseil sind die beiden signifikanten Bestandteile des Szenenbildes – tolle Idee; ein Bravo für den Ausstatter Michael Graessner.

Die Neuköllner Oper ist ein dem Experiment wie dem Unterhaltsamen gleichermaßen zugewandtes Off-Unternehmen, das sich löblicherweise besonders dafür einsetzt, dem Musiktheater eher fernstehende, also eher jugendliche Publikümer für diese Genre zu begeistern, indem es seine Inszenierungen (zumeist Neufassungen der klassischen Vorlagen) entsprechend ingeniös zurichtet. Jetzt bringt es mit dem Peter-Fox-Stück keine Um- und Neudeutung berühmter Opern wie meistens sonst, sondern eben die Inszenierung eines (eigentlich auch schon klassischen) Albums der Popmusik. Und will dabei kein komplexes Peter-Fox-Künstlerporträt zeichnen, obgleich die Parade seiner Songs schon viel über diesen Menschen sagt. Es geht vielmehr um Seelenzustände und deren Brüchigkeit.

Das Script der beiden Autoren rahmt mit pointierten Kurzszenen aus dem Alltag die Songs und baut auf deren an Nerven, Herz, Hirn zerrende Kraft. Die Band unter Fred Sauer, der den Original-Sound härter, schlagender, unerbittlicher gemacht hat, ist in Hochform. Wie auch der wunderbare Anton Weil mit dem großen „F.“, der herausragt aus dem Ensemble mit Amy Benkestein, Sergej Lubic, Sohel Altan Gol, Achan Maloda, Rubini Zöllner. So sehr die im Musikalischen überzeugen, so sehr dominiert sie doch Anton Weil im Darstellerischen (was für ein Talent!). Er gibt dem In-sich-Zerrissenen das stur Kerlige, aber auch das hilflos Kranke. Dabei hat er immer eine Maske des Gefährlichen, undurchsichtig Rätselhaften. Einer, der immer wie mit offenem Messer in der Hand losrennt. Und mit blutigem Herzen. Seine innere Verkrampfung, Verzweiflung, Verwundung, sein geradezu unheimliches Getriebensein ist stets spürbar. Der wüste Rocker zugleich als armer Schmerzensmann.

Was für eine Leistung – und super singen kann Weil auch noch. An ihm liegt es vor allem, dass der elende Ernst des Junkie-Daseins immer wieder durchscheint und aufblitzt in der Inszenierung von Fabian Gerhardt, die sich freilich redlich bemüht, dass das Abgründige, Quälerische und Zerstörerische von Drogen nicht untergeht in der ansonsten mit Schmiss arrangierten Revue – im Dauerton des Hit-Alarms.

So geht da halt (allzu?) mächtig die Post ab. Die hinteren Reihen (wo keine Kritiker saßen) johlten zur Uraufführungspremiere auf bei jeder Pointe, jeder noch so kleinen Witzigkeit und lachten sich halbtot auch an Stellen, wo es überhaupt nichts zu lachen gibt, wo die Tragik des weltverlorenen Junkies aufscheint.

Schließlich soll’s ja bei aller rockigen Coolness keine rauschende Feier des unbehaust frohen Jugendlebens der Suchtkranken sein. Dennoch droht die schwierige Balance zwischen Lebensgier und Krankheit, zwischen Lust und Gier und Todesnähe immer wieder aus der Achse zu kippen und sich aufzulösen in Partystimmung. Dass diese wahrlich hin-, aber auch herreißende Veranstaltung absolut Kult werden wird, dürfte klar sein. Mit lautstarker Mitmache auf den Klappsitzen; ob’s nun passt oder nicht: „Schüttel Deinen Speck“!

Dabei ging im geschüttelten Fortissimo des musicalhaften Fox-Fieber-Finales ziemlich unter, dass da am gar nicht guten Ende unser Titelheld „F.“ nach all seinen Auf- und Zusammenbrüchen gemeinsam mit seinem Suff-Kumpel wieder – auf ein Neues! – zur Schnapspulle und zwanghaft wohl zu noch stärkeren Dröhnungen greift mithin nach der falschen Erlösung. Was für ein schlimmes Fanal! Was für ein wahnsinniger Kreislauf!
(wieder 8.-11., 15.-18., 22., 23., 26., 29. 31. Dezember, 3.-5. Januar)

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2. BE: Die komplette Peymannerei auf 500 Seiten Papier
„Alle verlassen das brennende Haus. Bis auf Claus. Der schaut raus…“ (Heiner Müller).
Claus Peymann, Jahrgang 1937, BE-Chef seit 2000, zuvor an der Burg in Wien und in Bochum und Stuttgart, wo ihm (und auch in Salzburg) Epoche machende Inszenierungen von Kleist-, Shakespeare- und Bernhard-Stücken gelangen, dieser sagenhafte Regisseur, striesehaft umtriebige Theaterdirektor (was Heiner Müller bewitzelte) und giftig-bissiger Kultur- und Politikkritiker blickt zurück auf sein Wirken (und Verwirken).
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Das tat er schon einmal, vornehmlich bezogen auf seine Wiener Zeiten, auf vielen hundert großformatigen Buchseiten. Jetzt steht das BE im Mittelpunkt – und darüber hinaus, so seine Ankündigung – eine ganze Theaterepoche von immerhin sechs Jahrzehnten. Unter dem dramatischen Titel „Mord und Totschlag. Theater / Leben“ geht es auf kurz gefasst reichlich 500 Seiten um Peymanns Bühnendasein von Anfang an (im Alexander Verlag Berlin).

Das amüsant lehrreiche Büchlein versammelt in Text und Bild so gut wie alles, was C.P. gesagt und getan hat: „Predigten, Polemiken, Paukenschläge, Theatersiege, Theaterniederlagen, Triumphe und Flops“. – Wir dürfen an dieser Stelle, sonderlich für Kenner und Liebhaber, bemerken, dass die bislang erste und einzige C.-P.-Biografie „Aller Tage Abenteuer“ vor fast zwei Jahrzehnten schon Roland Koberg mit Pfiff und Klugheit verfasste (Henschel Verlag 1999) und dass bereits 2008 Hans-Dieter Schütt „Peymann von A bis Z“ herausbrachte, des Meisters gesammelte Weisheiten (Verlag Das Neue Berlin). Der „Entertainer, Mahner, Prophet und Kindskopf“ (Eigenwerbung) ist mithin längst gut dokumentiert.

Und jetzt der sozusagen finale „Mord und Totschlag“ – präsentiert von Peymann höchst selbst sowie seinem Adlatus Hermann Beil und seiner beruflichen wie persönlichen Daseinsgefährtin Jutta Ferbers – mit Filmeinblendungen und natürlich anschließendem Signieren des illustren, von Ferbers, Anke Geidel, Miriam Lüttgemann und Sören Schultz herausgegebenen Druckwerks (Vorzugspreis 19,50 Euro).
Am Sonntag, 11. Dezember, um 11 Uhr im BE-Foyer.

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3. Legendärer Anfang an der DT-Baracke: Thomas Ostermeier und die fetten Kerle
Anno 1996 warf die Ernst-Busch-Theaterhochschule (mindestens) zwei hoch begabte Absolventen auf den Markt: Thomas Ostermeier und Jens Hillje. Und weil die Intendanz Thomas Langhoff am Deutschen Theater just ziemlich schwächelte und weil gerade neben dem Haus auf einer Brache noch eine Bauarbeiter-Baracke leer stand, gab man den beiden Jungs von der „Busch“ die Hütte als Studio-Labor. Ihr Debüt (Regie: Ostermeier, Dramaturgie: Hillje) mit der wüsten Groteske des amerikanischen Jungdramatikers Nicky Silver „Fette Männer im Rock“ wurde ein Hit, die „DT-Baracke“ avancierte alsbald vom Geheimtipp zum Kult und schnappte sich zwei Jahre später schon den Titel „Theater des Jahres“. Berühmt (und damals sogar berüchtigt) in ganz Deutschland wurde sie schließlich mit der deutschsprachigen Erstaufführung einer sozialkritischen englischen Schmonzette: Mit „Shoppen und Ficken“ von Mark Ravenhill. Ostermeier machte aus dem schlimmen, schmutzigen, archaisch brutalen Ding eine kleine große, hoch spannende, herzzerreißende Tragödie. Sein frühes Meisterstück. Unvergesslich.

Wir gedenken jetzt der vor zwanzig Jahren gegründeten legendären „Baracke“ (inzwischen steht an ihrer Stelle ein Büro- und Mietshaus). Und wir kippen einen auf Ostermeiers Bühnen-Jubiläum: Just am 6. November 1996 hatte er seine erste Premiere als fest angestellter Regisseur mit den bösen fetten Männern. Inzwischen ist er an der Schaubühne und nichts weiter als weltberühmt. Prost!

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4. TV-Rederei über Theater
Heute, Montagabend, 20.15 Uhr, die „Montagskultur unterwegs“ aus dem Studio Voltastraße mit Alice Ströver, den beiden Kritikern Arno Lücker und Reinhard Wengierek („ihr streitet euch ja richtig“, staunte Thomas Ostermeier in der letzten Sendung am 7. 11.) sowie mit einem Gast; diesmal Jens Hillje, Künstlerischer Leiter des Gorki Theaters. Kritisch betrachtet werden die Premieren „Love it or leave it“ von Erpulet/Kulaoglu (Gorki Theater), „Affe“ von Düffel/Fabian (Neuköllner Oper) und „Die Hugenotten“ von Meyerbeer (Deutsche Oper). Später auch im Netz auf YouTube.

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Freie Volksbühne Berlin – Aus meinem Spiral-BLOCK: Theaterbetriebsnotizen 191

Freie Volksbühne Berlin – Aus meinem Spiral-BLOCK: Theaterbetriebsnotizen 191 0

HEUTE: 1. Kinderrevue „Verrückte Sonne“ – Friedrichstadt-Palast / 2. Märchen in der Monbijou-Familien-Holzhütte sowie im Pfefferberg-Glaspalast / 3. Tipp: Chris Dercon zum öffentlichen Gespräch in der Botschaft Belgiens / 4. Heute: Strövers Talk-Show mit Christoph Nix, Intendant, brisanter Buchautor und Bewerber für die Direktion der Busch-Hochschule. In der FVB-Montagskultur, 19.30 Uhr Ruhrstraße

1. Friedrichstadt-Palast: Herr Hitzeheiß gegen Herrn Schneemann und wie die Hasen-Kompanie dazwischen hopst
Noch ist der Riesenhimmel des Friedrichstadt-Palastes in eisiges Nachtblau getaucht – mit Sternengefunkel. Dann wird’s ganz dunkel, die Sterne verschwinden, der proppenvolle Saal (an einem gewöhnlichen Dienstagnachmittag) schreit auf und los geht’s: Das Weihnachts-Jahresend-Kinder-Spektakel „Verrückte Sonne“. Und was ist los auf der fußballfeldgroßen Panoramabühne? Überraschung, der Sommer! Im gleißend hellen Sommersonnenlicht paradiert schwungvoll die große Schar (vom Palast-Kinder- und Jugendclub) der Spiel- und Tanzkameraden einschließlich eines schwitzenden Schneemanns und stürzt sich in die krachende Sommer-Disko. Weiterlesen

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Freie Volksbühne Berlin – Aus meinem Spiral-BLOCK: Theaterbetriebsnotizen 190

Freie Volksbühne Berlin – Aus meinem Spiral-BLOCK: Theaterbetriebsnotizen 190 0

HEUTE: 1. „Frau Luna“ – Tipi am Kanzleramt / 2. Tipp für Seltenes: Klassik-Balladen Theater im Palais / 3. „Untergang des Egosisten Johann Fatzer“ – Kammerspiele des Deutschen Theaters

1. Tipi: Prosit mit Pulle Bier aufs neue Berliner Luna-Kindl!
Anno 1994, lang-lang ist’s her, da gab’s im kuscheligen Spiegelzelt von Lutz Deisinger und Holger Klotzbach, dem fabelhaften Unterschlupf der Bar jeder Vernunft, Ralph Benatzkys berlinernden Singspiel-Jux „Im Weißen Rössl“. Ein Überraschungs-Coup! Er wurde im Handumdrehen zum großen Kultstück des Hauptstadt-Entertainments – unvergessen mit Walter Schmidinger, Gerd Wameling, Otto Sander, Max Raabe, Meret Becker und – auf der Startrampe ihres Ruhms mit den Geschwistern Pfister. Längst Legende… Weiterlesen

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Freie Volksbühne Berlin – Aus meinem Spiral-BLOCK: Theaterbetriebsnotizen 189

Freie Volksbühne Berlin – Aus meinem Spiral-BLOCK: Theaterbetriebsnotizen 189 0

HEUTE: 1. „Mein Herr Käthe. Das Ehepaar Luther – Familienglück und Weltgeschichte“ Theater im Palais / 2. Carola Neher – Ausstellung im Literaturhaus Fasanenstraße / 3. Gedenken an Manfred Krug

1. Theater im Palais: Epochale Sensation Mönch heiratet Nonne
Was für ein Skandal! Elf Novizinnen ließen sich 1523 aus dem Zisterzienserkloster Marienthron im sächsischen Nimbschen bei Grimma entführen. Auftraggeber der ziemlich lebensgefährlichen Aktion war der bereits hochberühmte und berüchtigte, weil extrem politische Theologe Dr. Martin Luther. Er kümmerte sich denn auch um die Zukunft der jungfräulichen Damen, betätigte sich als Heiratsvermittler. Doch für eine der elf, Katharina von Bora, fand sich kein Freier. Und so ließ die Übriggebliebene Herrn Luther wissen, die würde den um 16 Jahre Älteren nehmen, falls sich der Vierzigjährige zur Heirat bequemen würde. Weiterlesen

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