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Aus meinem Spiral-BLOCK: Theater-Betriebsnotizen 36

Aus meinem Spiral-BLOCK: Theater-Betriebsnotizen 36 0

Morgen ist Geburtstag: 200 Jahre Richard Wagner!
Die Medien überschlagen sich und arbeiten sich ab an den grässlichen Seiten des grandiosen Geburtstagskindes, sonderlich an seiner schlimmsten Idiotie, dem Antisemitismus. Darauf zielte die Düsseldorfer „Tannhäuser“-Inszenierung, indem sie sehr direkt an den Holocaust erinnerte. Auf Druck eines empörten Teils der Öffentlichkeit wurde die Produktion nach der Premiere abgesetzt; das Ensemble gibt das Stück nunmehr konzertant. Man mag die Inszenierung des ansonsten eher moderat wilden Regisseurs, deren Erarbeitung die Direktion immerhin von Anfang an wohlwollend begleitete, allein vom Hörensagen finden wie auch immer, Selbstzensur durch die Intendanz ist nichts weiter als blanke Feigheit. Vielleicht war man ja bloß erpicht auf den Skandal. Nun hat man ihn in allumfassender Peinlichkeit. Weiterlesen

Aus meinem Spiral-BLOCK: Theater-Betriebsnotizen 35

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Berliner Theatertreffen
Die Bühne im Schauspielhaus zu Frankfurt am Main ist fürchterlich wie die Düsternis eines eiskalten Morgens. Und im Hintergrund eine elende Mauer aus Beton als mächtiger Riegel gegen alles Helle, Warme, Schöne (Bühne: Olaf Altmann). Das Dunkel gähnt, Schreie gellen, Entsetzliches dräut: Michael Thalheimer inszeniert die „Medea“ des Euripides, lässt mit unaufhaltsamer Wucht die zerstörerische Kraft verratener Liebe ins Bühnenleere stürzen. Fundamentalistischer Menschenwahn rast vom hohen Kothurn ins Menschenvernichtende. Constanze Becker (Medea) und Marc Oliver Schulze (Jason) spielen so nüchtern wie schmerzverzerrt das Ur-Grauen, das gewaltig sehnende oder gewaltig blutende Herzen zu entfachen vermögen. Ein archaisches theatralisches Monument. Das ferne, aber auch vertrackt nahe, deshalb umso verstörendere Schreckensbild eines Irrsinnskriegs, der nie wirklich aufgehört hat wie auch immer unter uns zu wüten. Weiterlesen

Aus meinem Spiral-BLOCK: Theater-Betriebsnotizen 34

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Volksbühne
Wirklich ein verwirrender Abend. Gelegentlich einfältiges Geblödel, nervend pauschaler Schimpf auf Kulturpolitiker, wüster Trash. Dann wieder hoch poetische Kunststücke, herzergreifende Spielereien, feierlicher oder komödiantischer Schöngesang. Man ist gequält und genervt, ist begeistert, ergriffen, zu Tränen gerührt – um gleich wieder zu kichern oder sich zu wundern und ein bisschen zu ärgern. Weiterlesen

Jung ist, wer sich empören kann

Jung ist, wer sich empören kann 1

Das Festival „Augenblick mal!“ zeigt Theater für junges Publikum. Es offenbart eine faszinierend große Bandbreite von Themen und ästhetischen Ansätzen

Plötzlich passiert es: der alte Mann in der ersten Reihe, der schon länger vor sich hin gegrummelt hat, springt auf. Er brüllt, spuckt aus und schimpft gewaltig über die „Migrantenjungs“, die auf der Bühne und die auf der Straße, die sein Berlin versauen. Und – frei nach Sarrazin – über die Politiker, die mit ihrer Ängstlichkeit die Selbstabschaffung der Deutschen vorantreiben. Knapp vor einer gewalttätigen Eskalation gelingt es einigen Zuschauern mit Mühe, den Mann zu beruhigen. Bis zum Ende. Dann kommt es tatsächlich zur brutalen Treterei.
Zurück bleibt ein verstörtes Publikum, dem langsam dämmert, dass es etwas für wahr gehalten hat, was „nur“ Theater ist. Das ist Theater! Schockierend, realitätsnah, zum Denken anregend. Weiterlesen

Tag der Arbeit – und des Theaters

Tag der Arbeit – und des Theaters 0

Am 1. Mai 2013 darf an einen besonderen Moment in der Geschichte der Freien Volksbühne e.V. erinnert werden: Auf den Tag genau vor 50 Jahren eröffnete das Theater in der Schaperstraße. Gemeinsam mit Willy Brandt, damals Bürgermeister West-Berlins, weihte der Intendant der Freien Volksbühne, der in Berlin und Moskau überaus bekannte Regisseur Erwin Piscator, das neue Haus ein. Gelegenheit, das Haus wieder von Innen zu erleben, gibt’s ab 3. Mai beim 50. Berliner Theatertreffen.

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Aus meinem Spiral-BLOCK: Theater-Betriebsnotizen 33

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Komödie am Kurfürstendamm
Der französische Erfolgsautor Eric Assous hat eine zwar hübsche und lebenskluge aber eben doch recht kleine Nachempfindung von Lorenzo da Pontes „Cosi fan tutte“ verfertigt: Da sind wie in der Mozart-Oper zwei befreundete Paare, die nach allerhand Hickhack sich trennen, doch schließlich wieder zusammenfinden – aber nunmehr über Kreuz. „Paarungen“, so das Motto der intelligenten Unterhaltung, gibt dem Quartett der Schauspieler Gelegenheit, das flott formulierende Konversationsstück zum Funkeln zu bringen. Das tun denn auch Katja Weitzenböck, Matthias Herrmann, Peter Prager sowie Theresa Scholze, allesamt vor allem bekannt durchs Fernsehen. Und Regisseurin Bettina Rehm arrangiert den Vierer ohne große Beanspruchung ihrer Fantasie recht ordentlich in dem eleganten Bilderrahmen-Bühnenbild von Julia Hattstein. Das Problem: Die Petitesse ist nicht wirklich abendfüllend, was sonderlich auffällt durch die Pause für die beliebte Erdbeer-Bowle. Die Sache wäre in gut einer Stunde durchgestanden. Und danach noch ein zweites Stücklein von Eric Assous oder von wem auch immer; der Fundus mit derlei Sächelchen ist gut gefüllt. So aber wirkt die Bowle, um im Bilde zu bleiben, ziemlich gestreckt… (wieder am 30. April und 1. bis 5. Mai) Weiterlesen

Aus meinem Spiral-BLOCK: Theater-Betriebsnotizen 32

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Ärger
Zwei große Premieren an einem Abend: Erstens Schaubühne mit „Romeo und Julia“, Regie führt der Star des Hauses Lars Eidinger, der neuerdings mit Wollmütze rumläuft, soll „hipster“ sein. Doch ich denke, er will bloß seinen kahlen Hinterkopf verdecken, warum bloß? Mehr Mut zur werdenden Halbglatze, mehr Mut zur Authentizität.
Zweitens Berliner Ensemble mit „Peter Pan“, Regie führt der weltberühmte Altmeister Robert Wilson; der seit Tagen schon mit öffentlichen Voraufführungen seine Effekte erprobt, da hätte man ohne Not einen Tag früher die Premiere machen können. Die Doppelung ohne Absprache zwischen den Berliner Bühnen, bislang eine freiwillige Verpflichtung, darf nicht ausgehebelt werden. Auch nicht von Weltstars. Weiterlesen

Aus meinem Spiral-BLOCK: Theater-Betriebsnotizen 31

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Vorfreude: Autorentheater-Tage im Deutschen Theater
Die ehrwürdige Publizistin und Kritikerin Sigrid Löffler, ja die vom „Literarischen Quartett“ damals sowie dem finalen Knatsch mit Marcel Reich-Ranicki, die hat jetzt sage und schreibe 87 ungespielte Theaterstücke gelesen, um drei davon auszuwählen. Für die Uraufführung in der „Langen Nacht“ am 15. Juni, dem Herzstück und Schlussakkord der alljährlich zweiwöchigen Autorentheater-Tage des Deutschen Theaters, einem Higlight der Szene, auf das letzte Woche in einer Presekonferenz (zu Recht) nachdrücklich hingewiesen wurde. Ich freu mich auf dieses Ereignis! Und empfehle rechtzeitige Kartenbestellung. Weiterlesen

Chance ist überall

Chance ist überall 2

In einer wilden Schau sind seit heute Mittag 12 Uhr rund 350 Bilder Berliner Künstler in der “Deutsche Bank KunstHalle” zu sehen – für 24 Stunden!

“Erlaubt ist alles, was man hängen kann”. Das ist mal ein kuratorisches Prinzip! Die Deutsche Bank hat es ausgerufen. Und so strömten am vergangenen Wochenende viele, viele Berliner Künstler in die Charlottenstraße, um ihre Bilder einzureichen.  Einschränkungen gab es – bis auf Format und Genre (Malerei, Fotografie, Arbeit auf Papier) – nicht.
Einen Tag später war Eröffnung.

 

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Aus meinem Spiral-BLOCK: Theater-Betriebsnotizen 30

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Volksbühne
Gleich zu Beginn richtig großes Kino: Der schöne Charakterkopf von Sophie Rois Superstar auf der Riesen-LED-Wand, einen Wutausbruch schleudernd. Über den Frust mit dem moralischen Gesetz sowie über die Not mit der Nächstenliebe, der die Eigenliebe im Weg steht. „Alles Bullshit, euer Gequatsche vom Sozialdarwinismus“, schreit sie und feuert kaltblütig mit der Kalaschnikow ins verdatterte Publikum der Berliner Volksbühne. Weiterlesen

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